X

RESPIRAMI 2026: neue Gesundheitsrisiken der Multi-Belastung jenseits des Smogs

 

Luftverschmutzung zählt zu den gravierendsten Gesundheitsproblemen unserer Zeit. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Erstmals wurden Mikroplastik und chemische Schadstoffe in den europäischen Leitlinien als Risikofaktoren für das Herz-Kreislauf-System verankert, und weltweit werden jährlich 5,5 Millionen Todesfälle zugeschrieben. Dieses vielschichtige Thema betrifft Millionen von Menschen unmittelbar und lässt sich angesichts der Entwicklungen des modernen Lebens immer schwerer bewältigen.

Um den neuesten Stand der Forschung auszuloten, lud die Menarini Stiftung gemeinsam mit der Environmental Research Group (ERG) des Imperial College London am 2. und 3. März 2026 nach Mailand ein. Zusammengekommen sind dort Forschende, Klinikerinnen und Kliniker sowie Fachleute aus mehreren Ländern. Bereits zum sechsten Mal bot der internationale Kongress RESPIRAMI – Recent Advances on Air Pollution and Health eine Bühne, um dem immer enger werdenden Zusammenhang zwischen Luftqualität und Gesundheit nachzugehen.

Im Mittelpunkt des Programms standen neue Studien und aktuelle Daten zu den Folgen der Verschmutzung für den menschlichen Organismus. Sie machen deutlich: Smog belastet nicht nur die Atemwege, sondern fordert auch vom Herz-Kreislauf-System und von zahlreichen weiteren Bereichen der Gesundheit seinen Tribut.

Die Referentinnen und Referenten ordneten die Luftverschmutzung als eine der drängendsten Herausforderungen der öffentlichen Gesundheit unserer Zeit ein. Ihre Auswirkungen auf Herz, Atemwege und Nervensystem sind mittlerweile gut belegt.

Umweltbelastung als Multi-Faktor-Problem

Der Kongress bot die seltene Gelegenheit, das noch junge Konzept der “Multi-Belastung” zu diskutieren, also jenes Zusammenwirken unterschiedlicher Umweltfaktoren, das in der Summe das Krankheitsrisiko spürbar erhöhen kann.

Neben dem Smog rücken weitere Faktoren zunehmend in den Fokus der Forschung: Lärm, übermäßiges Kunstlicht, Mikroplastik und die Chemikalien, die unsere Umwelt durchdringen. Die auf dem Kongress präsentierten Studien zeigen, dass all diese Einflüsse das kardiovaskuläre Risiko steigern und bereits weit verbreitete chronische Erkrankungen zusätzlich verschärfen können.

Eines der Kernthemen war die Frage, wie Schadstoffpartikel im Körper wirken. Das Risiko schwerer Erkrankungen sei keineswegs abstrakt, betonte Professor Stefano Del Prato, Präsident der Menarini Stiftung und emeritierter Professor für Endokrinologie an der Universität Pisa: «Schadstoffe verändern den Organismus grundsätzlich, indem sie Entzündungsprozesse und oxidativen Stress verstärken. Es handelt sich um Mechanismen, von denen wir wissen, dass sie Krankheiten wie Diabetes zugrunde liegen».

Der städtische Smog ist also längst nicht mehr der einzige Akteur. Der Kongress nahm auch Umweltbedingungen in den Blick, die häufig unterschätzt werden. Übermäßiger Lärm etwa wirkt sich nachweislich auf Blutdruck und Herz-Kreislauf-Funktion aus, während Lichtverschmutzung den zirkadianen Rhythmus aus dem Takt bringt und den Schlaf-Wach-Zyklus stört, mit möglichen Folgen für Stoffwechsel, Stressbelastung und Lebensqualität.

Professor Del Prato vertiefte diesen Punkt und wies darauf hin, dass Lichtverschmutzung auch die Entstehung von Adipositas begünstigen kann, eine weitere chronische Erkrankung, die das Wohlbefinden der Betroffenen stark beeinträchtigt. «Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass die Lichtexposition, insbesondere durch Kunstlicht und vor allem in den Nachtstunden, eine Gewichtszunahme fördert», erklärte Del Prato. Zudem gehe sie mit ungesunden Essgewohnheiten einher: «Man denkt nur an das Snacking, an dieses ständige Naschen und an die Kalorien, die sich dabei aufsummieren». Besonders betroffen seien junge Menschen, die viele Stunden vor Bildschirmen verbringen.

RESPIRAMI 2026: der Blick nach vorn

Der Kongress blieb nicht bei der Bestandsaufnahme stehen: er schuf auch Raum für die Frage, wie sich die gesundheitlichen Folgen der Verschmutzung einzudämmen lassen.

Zu den erörterten Lösungsansätzen zählten städtebauliche Maßnahmen, Konzepte für nachhaltige Mobilität und Initiativen zur Verbesserung der Luftqualität in den Städten, flankiert von neuen Forschungsarbeiten zur Prävention und Schutz der öffentlichen Gesundheit.

Den Austausch zwischen Wissenschaft, Institutionen und Zivilgesellschaft zu fördern, gehört zu den zentralen Anliegen der Fondazione Menarini. Mit Formaten wie RESPIRAMI leistet die Stiftung einen Beitrag zur wissenschaftlichen Bildung, schärft das Bewusstsein für Fragen, die uns alle angehen, und bringt tragfähige Lösungsvorschläge für die Zukunft in die Debatte ein.

 

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf der Website der Fondazione Menarini.

Categories: Unsere Gesundheit
cpellizzi:
Related Post