Fair Play Menarini: Giacomo Bertagnolli und Andrea Ravelli, Teamwork im Mittelpunkt des paralympischen Skisports

Giacomo Bertagnolli and Andrea Ravelli (Photo by Linnea Rheborg/Getty Images for IPC)

 

Die Paralympics 2026 in Mailand-Cortina schrieben viele Geschichten, doch kaum eine hinterließ einen so bleibenden Eindruck wie die von Giacomo Bertagnolli und Andrea Ravelli. Was die beiden verbindet, ist mehr als eine sportliche Zweckgemeinschaft: eine über Jahre gereifte Partnerschaft, die auf echtem Vertrauen, aufmerksamem Zuhören und gemeinsam getragener Verantwortung beruht, und deren Bedeutung weit über Medaillen und Podiumsplätze hinausweist.

Die Winterspiele haben dieses Band nur noch gefestigt. Bertagnolli, einer der erfolgreichsten sehbehinderten Skiläufer im internationalen Wettkampfbetrieb, krönte seine paralympische Karriere mit einer außergewöhnlichen Ausbeute von fünf Medaillen: Gold in der alpinen Kombination und im Slalom, Silber im Riesenslalom und Super-G sowie Bronze in der Abfahrt. Sein Beitrag zur italienischen Medaillenbilanz war entscheidend. Mit diesen Ergebnissen wurde er zum meistdekorierten italienischen Athleten in der Geschichte der Paralympischen Winterspiele und brachte sein Karrieregesamtergebnis auf 13 paralympische Medaillen.

Solche Ergebnisse entstehen nicht durch Glück. Im paralympischen alpinen Skisport ist die Beziehung zwischen Athlet und Guide kein Beiwerk, sondern das Fundament, auf dem alles aufbaut. Jede gewählte Linie, jeder Schwung, jede Entscheidung im Bruchteil einer Sekunde setzt voraus, dass zwei Menschen so aufeinander eingespielt sind, dass sie wie ein einziger agieren. Bertagnolli und Ravelli haben diese Abhängigkeit über Jahre in eine Stärke verwandelt: ein gemeinsamer Instinkt, der gerade dann nicht versagt, wenn der Druck am größten ist. Koordination spielt dabei eine Rolle, aber sie reicht nicht aus. Was die beiden wirklich antreibt, ist Vertrauen, das, was sich nicht erzwingen lässt, sondern nur wächst, und das es beiden erlaubt, sich der Piste vollständig zu überlassen, was auch immer sie erwartet.

Giacomo Bertagnolli und Andrea Ravelli (Photo by Linnea Rheborg/Getty Images for IPC)

In ihrer Partnerschaft spiegelt sich wider, worum es im paralympischen Sport wirklich geht. Leistung ist hier nie das Werk einer einzelnen Person: sie ist das kumulative Ergebnis von Zusammenarbeit, von zwei Menschen, die immer wieder ein gemeinsames Ziel verfolgen, bis das Engagement selbst zum Instinkt wird. Diese Dynamik trägt auch eine ethische Dimension: eine Art Fairplay, das nicht in der Regelkonformität wurzelt, sondern im aufrichtigen Respekt, in der alltäglichen Anerkennung, dass das Ergebnis beiden gehört und dass keiner von beiden es ohne den anderen erreicht hätte.

Giacomo Bertagnolli und Andrea Ravelli, Fair Play Menarini International Award, 2022

Der internationale Preis Fair Play Menarini hatte seine eigenen Schlüsse bereits gezogen. Im Jahr 2022 wurden die beiden in die Ehrenliste der Kategorie “Sport jenseits des Sports” aufgenommen, eine Anerkennung dafür, dass die Art und Weise, wie sie antreten, ebenso viel zählt wie die Ergebnisse, die sie erzielen. Bertagnolli ist mehr als einmal auf dieses Thema zurückgekehrt: das Verantwortungsgefühl, das es bedeutet, die paralympische Bewegung auf höchstem Niveau zu vertreten, und das Bewusstsein, dass das, was er und Ravelli verkörpern, für viele junge Athleten, die noch ihren Weg suchen, der Beweis ist, was Hingabe und die richtige Partnerschaft bewirken können.

Mailand-Cortina 2026 war ein Meilenstein, kein Abschluss. Die Medaillen bereicherten eine Karriere, die bereits von Auszeichnungen geprägt ist, ohne darauf hinzudeuten, dass die Geschichte zu Ende ist. Was sie bestätigen, ist eine sportliche Reife, die längst für sich selbst spricht. Und doch ist es jenseits der Ergebnisse die Qualität ihrer Zusammenarbeit, die nachwirkt: die besondere Art, wie Bertagnolli und Ravelli gemeinsam nach Höchstleistungen streben, und die allem, was sie erreichen, eine Bedeutung verleiht, die weit über das Podium hinausreicht.