Über Cenni di Pepo, besser bekannt als Cimabue, ist nur wenig Gesichertes überliefert. Der vermutlich um 1240 in Florenz geborene und 1302 verstorbene Künstler gilt dennoch als Schlüsselfigur in der Entwicklung der abendländischen Malerei. Nach seiner Ausbildung bei Coppo di Marcovaldo, dem angesehensten Meister jener Jahre, stieg Cimabue selbst zur prägenden Künstlerpersönlichkeit auf und dominierte die Kunstszene zwischen Florenz und Rom.
Der Florentiner Meister Cimabue überwand die starre Formensprache der byzantinischen Tradition und bahnte den Weg zu einer lebendigeren Malweise. Seine Figuren zeigen plastische Qualitäten und psychologische Tiefe: Die Körper besitzen Gewicht und räumliche Ausdehnung, ihre Mienen und Gesten vermitteln echte Empfindungen. Das Sakrale verliert nichts von seiner Erhabenheit, wird aber dem menschlichen Empfinden näher gebracht.
Obwohl die Zeit deutliche Spuren an den Werken hinterlassen hat, bezeugen sie noch immer eindrucksvoll Cimabues revolutionäre Meisterschaft. Die Fresken in der Basilika San Francesco in Assisi beeindrucken durch ihre dramatische Kraft; die Thronende Madonna aus Santa Trinità, heute Prunkstück der Uffizien, verschmilzt königliche Erhabenheit mit mütterlicher Sanftheit; das Kruzifix in San Domenico in Arezzo (um 1270) ist sein ältestes sicher zugeschriebenes Werk; während das Mosaik mit Johannes dem Täufer im Pisaner Dom (1301) seine einzige dokumentierte Arbeit in dieser Kunstform darstellt.
Bezeichnenderweise wählte die Kunsthistorikerin Miriam Fileti Mazza genau dieses Kruzifix von Arezzo als Ort für die Vorstellung ihrer Cimabue-Monografie. Dieser neue Band, erschienen in der angesehenen Menarini-Kunstbandreihe, schildert den Weg eines Malers, der «sich von den Fesseln der byzantinischen Tradition löste und eine neue Sichtweise auf die Welt eröffnete – und damit den Weg bereitete für die Kunst, die schließlich zur Renaissance führte». Cimabue schuf die Voraussetzungen für das Werk seines Schülers Giotto und legte den Grundstein für jene künstlerische Umwälzung, die wir Renaissance nennen: ein Wandel, der unsere Art zu sehen und darzustellen bis heute prägt.